Gicht trotz gesunder Ernährung und viel Bewegung?

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jucieterry
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Gicht trotz gesunder Ernährung und viel Bewegung?

Ungelesener Beitrag von jucieterry » 29. Dez 2015, 18:40

Hallo Zusammen

Bei mir hat man seit 1 Woche Gicht diagnostiziert.

Ich bin 38, männlich, 1.78 gross und 78kg schwer, ich gehe seit ca. 5 Jahren ins Krafttraining, im Sommer gehe ich gerne joggen oder VitaParkour, im Winter gehe ich jedes Wochenende auf den Berg um Snowboard zu fahren.
Ich achte auf die Ernährung. Da ich im Büro arbeite esse ich am Mittag einen Salat und ein kleines Sandwich, meist mit Vollkornbrot, Käse und Trockenfleisch. Ich trinke viel Wasser, mind. 2 L am Tag. Am Abend etwas Fleisch und Gemüse. Wir kochen gerne asiatisches Essen, also eher wenig deftige Kost..Zwischendurch aber schon auch mal Spaghetti Bolognese oder mit gewöhnlicher Tomatensauce. Ich gehe gerne aus und trinke auch mal etwas mehr als 1 Bier, jedoch nur etwas 2x im Monat.. Ich vertrage nicht so viel Alkohol und deshalb hab ich auch nie im Übermass getrunken. Unter der Woche trinke ich keinen tropfen Alkohol, nur (viel) Mineralwasser..
Ich fühlte mich auch immer kerngesund und war stolz auf meine Kondition.

Nun waren wir 6 Monate auf Hochzeitsreise in Südostasien. Ich wusste, dass ich das Krafttraining so nicht weiterführen konnte. Trotzdem waren wir sehr aktiv: Tauchen, Trekking, immer wieder unterwegs mit Gepäck in Bus, Motorrad, Schiff und Flieger. Daneben hab ich immer wieder mal Self-Training in den Hotels gemacht, d.h. Rumpfbeugen, Kniebeugen, und sicher 2x die Woche 100 Liegestütze..

Gegessen haben wir halt leider etwas unregelmässig, aber wann dann eher bescheiden, wenig Fleisch. Zwischendurch immer mal weider ne Cola, um etwas Zucker aufzufüllen. Da wir viel in Indonesien unterwegs waren gabs auch kein Schweinefleisch (Islam) und Rindfleisch war Qualitativ eher schlecht, deshalb haben wir meistens Hühnchenfleisch gewählt, aber wie gesagt eher in kleinen Mengen. In einigen Orten gabs jedoch ausschliesslich Fisch..Wir essen sonst eigentlich nie Fisch..

Alkohol liessen wir praktisch immer weg, wir haben vielleicht in der Woche 1 oder 2 Bier geteilt! Wie gesagt wir hatten sehr viele Aktivitäten am Tag, gingen früh schlafen, standen früh auf.

Die Tage und die Reisen waren ziemlich streng, aber natürlich sehr schön. Zu Ende waren wir noch in Bangkok für 4 Tage, um Weihnachtsgeschenke für unsere Familien zu kaufen. Das war ziemlich streng, nach meinem iPhone zufolge sind wir pro Tag 10km durch die Shopping-Malls gelaufen. Am 2 Tag fing mein Zeh an zu zwicken, aber noch nicht sonderlich fest, ich ging sogar noch auf den Cross-Trainer im Hotel. In der Nacht fing es aber an wirklich weh zu tun, trotzdem konnte ich noch gut laufen und wir gingen weiter shoppen. Am Tag unserer Abreise war ich dann aber doch beunruhigt und wir gingen im Flughafen zum Medical Center. Der Arzt hat sofort gesagt “Gouty”->Gicht..

Mir wurde Blut genommen und der Harnsäure Wert war auf 8.85mg/dl (!). Ich bekam gleich Colchicine verschrieben und nahm die auch. Der Heimflug war ziemlich mühsam und mein Fuss war ziemlich geschwollen. Ich konnte aber trotzdem laufen..oder eher humpeln..

Zuhause ging ich zu meinen Hausarzt, der hat mir noch ne Creme und Schmerzpillen verschrieben. Er hat gesagt, dass es höchstwahrscheinlich Gicht ist. Aber er hat auch gemeint ich sollte so weitermachen wie bisher.. also das eigentlich auf die leichte Schulter genommen.. Blutdruck sei perfekt. Nach einem Bluttest (Harnsäure war dann 7mg/dl) haben wir nochmals ein Termin vereinbart in 2 Wochen..

Nach Internet Berichten ist Gicht gleichzusetzen mit einem Todesurteil: Kein Fleisch, Kein Alkohol, zu 90% hat man dann alle paar Monate wieder mal ein Anfall, und irgendwann ist dann das Gelenk futsch..da schlimmste sei aber Gicht-Erkrankte auch leicht Diabetes bekommen können und Nierenschäden sich anbahnen..

Das ist natürlich kein schönes Nachhause kommen und ich bin völlig deprimiert. Muss ich jetzt wirklich schon an einen Rollstuhl denken? Kann ich meine Snowboard-Ausrüstung verkaufen? Mit vegetarischen Essen komm ich klar (wir haben uns ja in den letzten 6 Monaten mit sehr wenig Fleisch ernährt), auf Alkohol zu verzichten finde ich zwar nicht schön, aber wenn’s der Gesundheit hilft nehm ich das gerne in Kauf.. Momentan esse ich gar kein Fleisch und keinen Tropfen Alkohol..
Ich kann nicht schlafen weil ich immer wieder aufwache und meine Zehen prüfe ob nicht wieder ein Gicht-Anfall da ist..

Ich kann das ganze einfach nicht begreifen. Meine Frau und ich haben sogar noch gesagt, wie fit und schlank und rank wir dann sind wenn wir nach Hause kommen, wegen der vielen Bewegung und gesundem Essen, wenig Bier, etc…und jetzt hab ich die Krankheit, die üblicherweise vom ungesunden Lebensstil herkommt :-( :-(

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Placeboforte
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Re: Gicht trotz gesunder Ernährung und viel Bewegung?

Ungelesener Beitrag von Placeboforte » 30. Dez 2015, 18:35

Hallo Jucieterry,
also mit dem Todesurteil :evil: wollen wir uns dann doch noch etwas zurückhalten. Nehmen wir mal an es ist tatsächlich Gicht. Und der Harnsäurewert geht nicht wieder nach unten sondern bleibt hoch... (was ja so nicht kommen muss) ... dann musst Du im schlimmsten Fall ein Medikament nehmen, dass den Harnsäurewert senkt. Wenn Du das dann brav nimmst, dann war es das mit der Gicht. Der Harnsäurewert ist unten (< 6,0) und Du merkst nichts mehr von der Gicht. Auch Deinen Lebensstil musst Du nicht ändern. Also, ja, Gicht ist Mist, aber so schlimm ist es auch nicht!
Aber jetzt muss man erst mal sehen wie sich die Situation entwickelt. D. h. den Harnsäurewert gelegentlich vom Arzt (oder ggf. Apotheke) kontrollieren lassen. Bei Ernährung, Gewicht und Alkoholkonsum ist bei Dir nicht wirklich viel zu holen. Das Bisschen was Du noch ändern kannst wird wahrscheinlich keine signifikante Änderung bringen. Wenn der Harnsäurewert wieder Richtung 9 geht oder es zu einem zweiten Gichtanfall kommt, wir der Arzt Dir ein Medikament zur Senkung des Harnsäurewerts verschreiben. Nimm es. Zu diesem Thema kannst Du dich hier auf GichtInfo.de reichlich belesen.
Du bist nicht der typische Gicht-Patient. Aber solche Fälle gibt es auch. Gicht kommt nun mal primär von der Unfähigkeit der Nieren genügend Harnsäure auszuscheiden. Verstärker sind dann Gewicht, Ernährung und Alkohol.Aber es gibt Gicht auch bei Normalgewicht etc. Trotzdem: Gibt es in der Verwandtschaft (Eltern, Großeltern, Geschwister) Gicht? Wenn ja: Mist. Wenn nein: Vielleicht doch mal eine Gelenkpunktion zum Nachweis von Harnsäurekristallen machen lassen. Das ist ein sicherer Gicht-Nachweis, ein einmalig zu hoher Harnsäurewert ist es nicht.

Ich hoffe, ich habe Dir etwas weiter geholfen. Wenn noch Fragen sind: melde Dich.

Viele Grüße und einen guten Rutsch ins neue Jahr
Placeboforte

PS: Ich frage mich noch warum es Dich gerade im Urlaub bei vorbildlichem Lebenswandel erwischt hat... Kann es sein, dass Du nicht genug getrunken hast? Auch in Anbetracht der hohen Umgebungstemperaturen.

jucieterry
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Re: Gicht trotz gesunder Ernährung und viel Bewegung?

Ungelesener Beitrag von jucieterry » 31. Dez 2015, 19:54

"Hallo Placeboforte

Vielen Dank für Deine Antwort. Ich habe bei meinen Familien nochmal nachgefragt und es hat niemand Gicht.
Mein Grossvater mütterlicherseits hatte vom Schweinebraten pures Fett und Bier getrunken..Der andere Grossvater ist zwar früh gestorben, aber auch mein Vater isst extrem viel Fleisch, Fisch, sein Hobby ist Wein..Niemals Gicht.. ob nun sonst irgendein Ur-Grossvater Gicht hatte, weiss ich leider nicht :-(

Nimmt mich Wunder, wie der Bluttest nächste Woche wird. Esse seit dem Anfall kein Fleisch mehr, kein Alkohol..trinke noch mehr Wasser als sonst.. Geeignete Lebensmittel oder schlaue Purintabellen zu finden im www ist nicht ganz so einfach, weil die Seiten widersprechen sich häufig.. Trotzdem achte ich jetzt halt noch mehr auf die Ernährung..
Gehe auch wieder ins Fitness Studio, aber nur gemässigt, weil viele Seiten sagen ja, dass übermässig Sport einen Gicht Anfall auslösen kann. Bei Krafttraining oder auch Snowboarding lässt sich nun mal Muskelkater nicht vermeiden, ist ja manchmal auch so erwünscht (Muskelaufbau).

Mein Zeh tut zwar immer noch weh, besonders wenn ich ihn seitwärts bewege. Geschwollen ist auch noch einiges, besonders der Zeh selbst...nach jetzt fast 2 Wochen??

Während der Reise haben wir extrem viel getrunken, mehrere Liter im Tag. Da wir Taucher sind, müssen wir sowiso eine Dehydrierung vermeiden und viel Wasser trinken..

Wünsche Dir auch einen guten Rutsch ins 2016 !"

Max
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Re: Gicht trotz gesunder Ernährung und viel Bewegung?

Ungelesener Beitrag von Max » 9. Feb 2016, 00:06

Hallo @jucieterry,

willkommen im Club, jetzt hat es auch dich erwischt.

Deine Gicht-Variante ist eher typisch (Zehschmerzen etc.).

Stell dir vor es geht noch schlimmer.

Bei meinem ersten Gichtanfall (mit 35) war ich mehrere Monate krankgeschrieben (grippeähnlich, hohes Fieber etc.).

Mit 38 dann der zweite Gichtanfall, wieder grippeähnlch, hohes Fieber mehrere Monate, fast ein Jahr krankgeschrieben.

Das Blut war voll mit Harnsäure (und das schon seit Jahrzehnten), die Nieren müde, ich konnte regelrecht spüren wie das giftige und heiße in den Adern floß. Schmerzen überall wo das Blut floß, Nieren- und Leberkoliken usw.

Als es schon fünf vor zwölf und ich fast tot war, haben mich die (übrigens auch asiatischen) Ärzte gerettet.

Jetzt bin ich zum ersten Mal in meinem Leben auf 5,7 mg/dl runter (vor einem halben Jahr waren es noch 8,2 mg/dl) und liege damit sogar unter der von der Deutschen Gichtliga angegebenen Kristallisierungsgrenze von 6,0 mg/dl.

Ich habe auch so wie du Sport betrieben, kaum Alkohol getrunken usw.

Die Veranlagung ist also genetisch bedingt. Das ist mir endgültig klar geworden als ich meine alten Blutauswertungen (von vor 10 und 20 Jahren) ausgegraben habe. Dann habe ich eine Kurve gezeichnet um anschaulich zu sehen wie sich die Harnsäurewerte im Laufe der Jahrzehnte entwickelt haben, und siehe da: ich hatte schon immer erhöhte Werte. Desweiteren habe ich mir Blutanalysen meiner Eltern angeschaut und siehe da: Meine Mutter hat 9,3 mg/dl. Die asiatischen Ärzte haben mir gesagt dass Söhne oft von Müttern Krankheiten vererben. Meine Mutter hatte aber nie Gichtanfälle, bei Frauen begünstigt Östrogen die Ausscheidung von Harnsäure. Gleichwohl hat sie aber Hyperurikämie, da sie über Gelenkenschmerzen klagt.

Nun habe ich mit 5,7 mg/dl die Hyperurikämie weggedrängt und die Blutvergiftung ist auch weg, auch die Leber- und Nierenkoliken.
Ich habe mehr Energie und man könnte meinen das Problem wäre gelöst, aber...
... das Problem ist nicht gelöst. Es geht immer mehr in die Gelenke. Nach jeder Mahlzeit gibt's Spitzen an Harnsäurewerten die man mit einer Blutanalyse morgens nüchtern gar nicht mitbekommt. Auf dem Papier sind die Werte besser geworden aber die Harnsäure sammelt sich bei mir in den Füssen und Händen. Meine Finger, Zehen und der Hinterkopf tun immer öfter weh.

Ich gehöre zu den wenigen Menschen, die erhöhte Harnsäurewerte riechen können (je mehr Purine in gegessenen Lebensmitteln desto stärker stinkt mein Urin. Nur bei Milch, Wasser, Gurken, Tomaten und Eiern stinkt es nicht).

Die Auswahl an Lebensmitteln die ich essen kann ist sehr klein. Bei vielen Gemüsesorten bekomme ich außerdem Durchfälle. Und wie ich festgestellt habe blockieren Durchfälle (aber auch Alkohol, kalte Lendenwirbelsäule und noch einige Faktoren) den Abbau von Purinen in meinem Körper. Ich bin dann mehrere Tage kaputt und muss das giftige und heiße aus dem Blut mit Hilfe der chinesischen Kräuter wieder ausspülen.

Das Leben mach so kaum noch Spaß. Ständig muss ich kochen und aufpassen was ich esse.

Außerdem muss ich die Teekräuter immer in einer Teekanne in der Tasche tragen und jede Stunde ein bißchen davon trinken. Das nervt. Und ich darf nichts kaltes trinken, muss die Nieren immer warm halten.

Ich kann mich mit der Krankheit immernoch nicht abfinden, vor allem habe ich das Gefühl dass man als Gichtpatient die Folgen der Krankheit bekämpft bzw. versucht die Krankheit auszutricksen, aber die Ursache (die Barriere in den Nieren funktioniert nicht mehr) nicht reparieren kann. Selbst die wirklich guten TCM Ärzte können nicht zaubern und auf der Internetseite der Deutschen Gichtliga steht geschrieben dass die Krankheit nicht heilbar ist.

Aber ich gebe nicht auf und hoffe dass sich der ursprüngliche Zustand wieder herstellen lässt. Die Urmenschen gingen doch Millionen von Jahren lang permanent auf Jagd und haben sich hauptsächlich von Fleisch ernährt. Mir kann doch keiner erzählen dass der menschliche Körper dafür nicht ausgelegt ist. Also muss es Gründe geben warum diese Nierenfunktion ausgeschaltet ist. Alles hat physische Ursachen. Und was physisch ist muss doch repariert werden können. Ich habe auch nicht das Gefühl dass diese Krankheit tief erforscht ist. Lange Zeit haben sich Forscher auf Reuma konzentriert und Gicht stiefmütterlich behandelt.

Ich recherchiere jetzt weltweit danach wie man die Barriere in den Nieren wiederherstellen kann. Es gibt einige Hinweise darauf dass die Nieren müde werden weil sie nicht nur Purine aus Nahrung sondern auch körpereigene Purine (Zysten, Tumore etc.), also in der Summe zu viele Purine, abbauen müssen. Das ist interessante Information, demnach gilt es die Zysten, Tumore zu finden und zu beseitigen. Ich recherchiere in mehrere Richtungen.

Also, nicht aufgeben, kämpfen!

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