Allopurinol was nun ?

Wie sag ich´s meinem Arzt. Wohin kann ich gehen? Mein Arzt versteht mich nicht.
tobi
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Allopurinol was nun ?

Ungelesener Beitrag von tobi » 10. Mai 2020, 13:33

Hallo ,

ich habe seit Dezember 2019 mit der Gicht zu tun und frage mich wie ich taktisch am besten vorgehe. Mein Internist scheint nicht sehr erfahren zu sein daher würde ich mich über Anregungen sehr freuen.

Seit dem ersten Anfall habe ich meine Ernährung komplett umgestellt und verzichte auf Alkohol. Alle Medis habe ich gut vertragen.

Hier meine „Stationen und Werte“ :

06.12. = 8,2 HS erster Anfall
Behandlung mit 30mg Prednisolon + Iboprofen

07.01. = 7,9 HS
11.02. = 7,0 HS
22.04. = 6,9 HS

01.05. = ohne Messung zweiter Anfall
Behandlung mit 30mg Prednisolon + Iboprofen
Aloperinol 100 mg

05.05. = 4,8 HS

Der Internist war der Meinung , bei einem HS-Wert von
7 das Anfallsrisiko sehr niedrig zu halten und wir wollten es erstmal ohne Allopurinol versuchen. Beim 2. Anfall musste ich wegen des Feiertags in die Notaufnahme. Der behandelnde Arzt war sehr überzeugend mit dem Argument, dass sofort mit Allopurinol 100 mg begonnen werden sollte um erstmal alles auszuschwemmen und einen Wert von ca. 3 zu erreichen. Mit Ernährungsumstellung wäre der Wert nicht weiter zu verbessern.Das habe ich auch so umgesetzt aber der Internist ist skeptisch und wundert sich über die rasche Senkung des HS Spiegels auf 4,8.
Wenn jetzt kein weiterer Anfall folgt , würde ich jetzt erstmal so weitermachen und die Werte im Auge halten. Ich denke das kann nicht falsch sein. Nur habe ich Sorgen falls ein neuer Anfall kommt. Mein Arzt hat schon angedeutet , dass wir dann was grundlegend falsch machen würden ?! :?

Ich bin übrigens 45 Jahre alt , treibe Sport und bin nicht übergewichtig.

Was würdet ihr vorschlagen ?

Vielen lieben Dank,
tobi

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Placeboforte
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Re: Allopurinol was nun ?

Ungelesener Beitrag von Placeboforte » 10. Mai 2020, 15:41

Hallo Tobi,

Du beschreibst keinen ungewöhnlichen Verlauf. Interessant ist aber, dass bei Dir 100 mg Allopurinol auszureichen scheinen. Bei den meisten ist mehr notwendig. Sei froh darüber.

Aber die Senkung des Harnsäurewertes ist sehr gut. Auf 3 musst Du übrigens nicht runter. Wichtig ist auf < 6,5 zu kommen und zu bleiben.

Zu: "Mein Arzt hat schon angedeutet , dass wir dann was grundlegend falsch machen würden ?!":
Die beschriebenen Gichtanfälle sind mit hoher Wahrscheinlichkeit Ausdruck einer erfolgreichen Therapie: Der HS-Wert sinkt. Bei Werten < 6,5 fangen HS-Ablagerungen an sich langsam ! aufzulösen. Hierdurch können weitere "reaktive" Gichtanfälle entstehen. Das ist normal! Und kann bis zu 8 Monaten dauern. D. h. Du solltest noch einige Monate damit rechnen, dass Gichtanfälle auftreten können. Falls du die nötigen Medikamente zur Sofortbehandlung nicht im Haus hast: Lass Dir was verschreiben. Nach spätestens 8 Monaten solltest Du dann mit dem Thema durch sein. Lies mal hier: https://www.gichtinfo.de/medikamente/ha ... rt-senken/

Viele Grüße
Placeboforte

tobi
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Re: Allopurinol was nun ?

Ungelesener Beitrag von tobi » 10. Mai 2020, 20:36

Hallo ,

vielen Dank für die schnelle Antwort.

Kann ich dann davon ausgehen, dass die Dosis ausreicht, wenn der Wert unterhalb der 6,5 Grenze bleibt ?
Oder sollte ich erhöhen falls bei der nächsten Messung in
2-3 Wochen ein Ergebnis zwischen 5 und 6 rauskommt ?

Wie erkenne ich, dass das Therapieziel erreicht ist ?
Durch ausbleibende Anfälle oder durch einen stabilen
HS-Wert ?

Und wie gehts danach weiter ? Ist eher eine Erhaltensdosis ratsam , ganz absetzen oder es erstmal nur über Ernährungsumstellung versuchen ?
Auch wenn das natürlich Zukunftsmusik ist ...

Vielen lieben Dank,
tobi

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Re: Allopurinol was nun ?

Ungelesener Beitrag von tobi » 4. Jun 2020, 22:22

Hallo ,

die heutige Messung beim HA hat jetzt einen
HS-Wert von 7,1 ergeben. Ich bin ziemlich niedergeschlagen, da ich vor 1 Monat nach 5 Tagen Allopurinol 100mg einen Wert von 4,8 hatte. Gesündigt habe ich nicht.

Ist den Laborwerten generell zu trauen ? Mein HA ist nach wie vor der Meinung, die 7,1 wären in der Norm und
eigentlich wäre kein Allopurinol nötig (wurde mir im Krankenhaus verschrieben). Ansonsten einfach die Dosis verdoppeln. Er ist der Meinung, dass der damals niedrige Spiegel den Anfall ausgelöst haben könnte. Was für mich absurd klingt, da wohl eher das Allopurinol den Wert hat sinken lassen.

Muss ich eigentlich bei der Blutabnahme nüchtern sein ?
Mein HA sagt nein , daher hatte ich gefrühstückt.

Hat jemand ne Idee wie die unterschiedlichen Werte zusammen passen und wie ich damit umgehen sollte ?

Vielen lieben Dank,
Gruß Tobi

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Placeboforte
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Re: Allopurinol was nun ?

Ungelesener Beitrag von Placeboforte » 7. Jun 2020, 10:04

Hallo Tobi,

ich hatte ja beim letzten Mal schon geschrieben, dass 100 mg Allopurinol nicht viel sind und auch normalerweise nicht viel bewirkten. Das scheint sich auch bei Dir zu bestätigen.

Grundsätzlich kann ich den Aussagen von Deinem Arzt folgen. Wenn die 100 mg nicht ausreichen, dann muss eine höhere Dosis gewählt werden. Die meisten Gicht-Patienten nehmen 300 mg, insofern ist der Schritt von 100 auf 200 richtig. Und dass der damals niedrige HS-Wert den Gichtanfall ausgelöst haben kann: Kann durchaus sein. Generell kann ein starkes Absinken des HS-Wertes (auch und gerade bei der Behandlung mit Medikamenten) Gichtanfälle auslösen.

Die Blutentnahme muss nüchtern erfolgen (auch nichts trinken). Ansonsten kann der Wert etwas falsch liegen. Generell schwankt der HS-Wert sowieso. Die Ergebnisse der Blutentnahmen sind folglich Momentaufnahmen. Erst mit mehreren Werten, die idealerweise auch einen Verlauf erkennen lassen, weiß man, woran man ist.

Dein HS-Wert ist leicht erhöht. Eigentlich sollte er unter 6,5 mg / dl liegen. Allerdings muss dieser Wert nicht unbedingt behandelt werden. Üblicherweise wird die Behandlung zur Senkung des HS-Wertes erst beim zweiten Gichtanfall begonnen. Insofern hast Du auch die Option erst mal abzuwarten und keine Medikamente zu nehmen. Und dabei generell auf Gewicht, Ernährung und Alkoholkonsum zu achten. Dann den HS-Wert jedes halbe Jahr mal prüfen lassen, damit man weiß, wo es hingeht.

Ich habe hier geschrieben: https://www.gichtinfo.de/was-ist-gicht/ ... arnsaeure/
Fakt ist, dass es ab einem Harnsäurewert von 6,8 mg / dl zur unbemerkten Bildung von Harnsäurekristallen kommen kann. Daher sollte ein Harnsäurewert von über 7,0 mg / dl nicht ignoriert werden, auch wenn er nicht zwangsläufig zu Gicht führen muss. Liegen weder Beschwerden noch eine genetische Vorbelastung (z. B. der Vater hat Gicht) vor, wird ein Harnsäurewert unter 9 mg / dl oft als nicht medikamentös behandlungsbedürftig angesehen, eine angepasste Ernährung kann ausreichen.

Insofern: Mach Dich nicht verrückt. Wenn Gicht bei Euch in der Familie bisher kein Thema ist, dann warte doch erst mal ab, wie sich der HS-Wert entwickelt. Dein Harnsäurewert ist in einem Bereich, in dem man nicht unbedingt gleich mit Medikamenten arbeitet.

Viele Grüße
Placeboforte

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